Museumsinsel Gebäudeübersicht
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Neues Museum

Neues Museum (Visualisierung)
© SPK / ART+COM, 2012
Wiedereröffnet 2009

Über sechzig Jahre Kriegsruine

Das Neue Museum wurde 2009 als drittes Haus auf der Museumsinsel wiedereröffnet. Damit sind zum ersten Mal seit 1939 wieder alle fünf Ausstellungshäuser für das Publikum geöffnet. David Chipperfield Architects sanierte das im Zweiten Weltkrieg beschädigte und teilweise zerstörte Neue Museum, nachdem Teile des Inneren über 60 Jahre lang als Kriegsruine Wind und Wetter ausgesetzt waren. Dabei arbeitete das Architekturbüro nach dem gemeinsam mit dem Restaurierungsarchitekten Julian Harrap entwickelten Konzept der „ergänzenden Wiederherstellung“. Das Neue Museum erhielt seit seiner Wiedereröffnung zahlreiche Preise.

Errichtet wurde das Neue Museum ab 1843 nach Plänen des Architekten Friedrich August Stüler. 1859 wurde es erstmals eröffnet. Es war der erste Bau der 1841 von Friedrich Wilhelm IV. konzipierten „Freistätte für Kunst und Wissenschaft" und nach dem Alten Museum das zweite Gebäude auf der heutigen Museumsinsel. Das Neue Museum beherbergt heute das Ägyptische Museum und Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie ausgewählte Objekte der Antikensammlung.

© SPK / ART+COM, 2015

Erster Schritt zu einer „Freistätte für Kunst und Wissenschaft“

Friedrich August Stüler, ein Schüler Schinkels, plante das Neue Museum als Teil eines größeren Gesamtkonzepts. Das Gebäude hat einen fast rechteckigen Grundriss und ist in seiner Längsachse parallel zum Kupfergraben ausgerichtet. In der Außengestaltung des Hauses knüpfte Stüler an die klassizistische Architektur des Alten Museums an. Ein Arkadengang umschließt seit 1860 das Neue Museum und seit 1878 auch den angrenzenden Kolonnadenhof. Die im Krieg vollständig zerstörte südöstliche Südkuppel und der nordwestliche Flügel wurden bei der Generalsanierung in ihrer ursprünglichen Struktur, aber in modernem Stil wiederaufgebaut.

Generalsanierung des Neuen Museums

Das Neue Museum wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und teilweise zerstört. Während die anderen Bauten auf der Museumsinsel nach dem Krieg wiederaufgebaut wurden, beließ man das Haus, wie es war. Es wurde über Jahrzehnte nicht saniert. Erst in den letzten Jahren vor der Wiedervereinigung traf man einige Sicherungsmaßnahmen.

Architekturwettbewerbe und Planungen

Zum Wiederaufbau des Neuen Museums wurde 1993 ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, der kein zufriedenstellendes Ergebnis erbrachte. Nach einem zweiten Wettbewerb konnte im Jahr 1997 das Büro David Chipperfield Architects mit der Sanierung des Gebäudes beauftragt werden. Zunächst überlegte man, das Neue Museum zum zentralen Eingang der Museumsinsel zu entwickeln und Besucherinnen und Besucher über die erste Etage zum Alten Museum und zum Pergamonmuseum zu leiten. Damit wären fragilste historische Räume stärksten Besucherströmen ausgesetzt worden. Alternativen für eine rücksichtsvollere Behandlung des Neuen Museums innerhalb des Museumskomplexes wurden gesucht. Vor diesem Hintergrund wurde der Masterplan Museumsinsel entwickelt, der 1999 verabschiedet wurde. Im Jahr 2000 war die Entwurfsplanung für das Neue Museum abgeschlossen.

Behutsames Weiterbauen

Das Leitmotiv für die 2003 beginnenden Wiederaufbau- und Sanierungsarbeiten war das „behutsame Weiterbauen". Nach den Plänen des Architekten David Chipperfield wurde die Originalsubstanz des Gebäudes bewahrt und die vorgegebene Struktur und Kubatur des Stüler-Baus fortgeführt. Neues ist dabei als Neues erkennbar, fügt sich aber in das Alte ein. Je nach Art und Ausmaß der Schäden suchten die Architekten für jeden der Räume eine individuelle Lösung. Sie wurden in unterschiedlichen Abstufungen restauriert, saniert, ergänzt oder wiederaufgebaut. Bei allen Überlegungen hatte Vorrang, die historischen Elemente zu erhalten. Komplett oder wesentlich zerstörte Gebäudeteile wie der Nordwestflügel, die südöstliche Kuppel und die monumentale Treppenhalle baute David Chipperfield Architects in ihrem historischen Volumen, aber moderner Formensprache wieder auf.

Durch die Absenkung der Fundamentplatte wurde auf der Basisebene des Gebäudes ein dringend benötigtes zusätzliches Ausstellungsgeschoss gewonnen. Dort verläuft entlang der Längsachse des Hauses die Archäologische Promenade. Der Griechische Hof und der Ägyptische Hof wurden so saniert, dass es keines Umbaus bedarf, wenn sie später Teil der Archäologischen Promenade sein werden. Sie werden die thematische und architektonische Verbindung zu den Nachbargebäuden herstellen.

Sammlungen im Neuen Museum

Das Neue Museum beherbergt heute zwei Sammlungen, die auch schon bei der ersten Eröffnung des Hauses gezeigt wurden: das Ägyptische Museum und Papyrussammlung sowie das Museum für Vor- und Frühgeschichte. Die Präsentation wird ergänzt durch Objekte der Antikensammlung. Zu den in der Vergangenheit im Neuen Museum vertretenen Sammlungen zählten neben der „Abteilung für Altägypten“ und jener für „Vaterländische Altertümer“ auch die Abteilung für

Völkerkunde, die Abgusssammlung antiker Kunst, die Graphische Sammlung und die Architektursammlung. Die ursprüngliche Ausstattung der Innenräume nahm auf die Präsentationen Bezug. Sie wurden von Künstlern des Spätklassizismus und Historismus gestaltet. Bei der Generalsanierung wurde das Konzept der ergänzenden Wiederherstellung auch auf die sehr unterschiedlich erhaltene Dekoration der Innenräume angewandt.

Neues Museum 1960 (Fotografie) Neues Museum 2009 (Visualisierung)

Historische Ansichten

Das von Friedrich August Stüler entworfene Neue Museum wurde 1859 eröffnet. Es bot als erstes Museum drei Ausstellungsebenen. Sie waren beiderseits des monumentalen Treppenhauses angeordnet. Bautechniken wie die Pfahlrostgründung oder der Einsatz von Leichtbauziegeln und Eisenguss-Fertigteilen erschlossen ein zur damaligen Zeit technisches Neuland. Über ein Brückenbauwerk war das Haus mit dem Alten Museum verbunden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile des Neuen Museums von Bomben zerstört. In der DDR-Zeit war mehrfach geplant, die Ruine abzureißen, bis 1985 schließlich der Wiederaufbau beschlossen wurde.

Zugänge zum Neuen Museum und Archäologische Promenade (Visualisierung)
© SPK / ART+COM, 2015

Zugänge

Der Haupteingang des Neuen Museums liegt an der Ostseite des Gebäudes unter den Kolonnaden. Seit der Wiedereröffnung des Hauses 2009 besteht zusätzlich zu diesem historischen Eingang am Kolonnadenhof auch an der Westseite des Hauses ein Zugang. Dieser wird mit der Eröffnung des Neuen Hofs, der von Neuem Museum, Pergamonmuseum und James-Simon-Galerie begrenzt ist, auch für das Publikum zugänglich sein. Innerhalb des Neuen Museums sind der Ägyptische Hof und der Griechische Hof Teile der künftigen Archäologischen Promenade. Sie wird das Neue Museum mit dem Alten Museum, dem Pergamonmuseum, dem Bode-Museum und der James-Simon-Galerie verbinden.

Westfassade des Neuen Museums (Visualisierung)
© SPK / ART+COM, 2015

Daten und Fakten

  • Erbaut ab 1843, Fertigstellung Rohbau 1847, Vollendung 1855 , Eröffnung 1859 (nach mehreren Zwischeneröffnungen)
  • Architekt: Friedrich August Stüler
  • 1943/1945: Beschädigung, teilweise Zerstörung durch Bombentreffer
  • 1985: Beschluss zum Wiederaufbau; es folgten Notsicherungen
  • 1993: Ausschreibung Wettbewerb für Sanierung und Wiederaufbau
  • 1997: Aufforderung an erste fünf Preisträger, im Rahmen eines Gutachterverfahrens ihre Vorstellungen zum Wiederaufbau zu formulieren
  • 2003 bis 2009: Wiederherstellung nach Plänen von David Chipperfield Architects
  • 2007: Richtfest
  • 2009: Wiedereröffnung
  • 2014: Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Steinzeit. Bronzezeit. Eisenzeit“ des Museums für Vor- und Frühgeschichte auf der dritten Ebene

Architekturpreise

Seit seiner Eröffnung hat das Neue Museum zahlreiche Preise erhalten.

  • „Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur/Mies-van-der-Rohe-Preis” (2011)
  • „Deutscher Architekturpreis” (2011)
  • „Philippe Rotthier European Prize for Architecture” (2011)
  • Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe „Europa Nostra Award 2010”
  • „Große Nike“ (Hauptpreis) und „Nike für Detailvollkommenheit 2010” vom Bund Deutscher Architekten (BDA)
  • „Travel + Leisure Design Award 2010“, Kategorie „Bestes Museum“
  • „BDA-Preis Berlin“ (2009)
  • Sonderpreis zum Architekturpreis Berlin  (2009)
  • „BZ-Kulturpreis Berlin“ (2009)
  • „RIBA Award“ sowie den „RIBA Crown Estate Conservation Award“ des Royal Institute of British Architects (2009)
  • „Excellence in Design Award“ in der Kategorie "Historical Preservation/Restoration“ des American Institute of Architecture UK Chapter (2009)